Über das Leben, die Gesellschaft und die Welt

Über das Leben, die Gesellschaft und die Welt

Wenn Menschen aus verschiedenen beruflichen Bereichen zusammenkommen, birgt das Chancen. Wenn sie gemeinsam über eine Gesellschaft der Zukunft philosophieren, setzt das neue Impulse. 14 Menschen aus der Stadt Amberg haben sich dieses Jahr dafür entschieden, eine Zusatzausbildung in Philosophischer Gesprächsführung zu machen.

Das bedeutet, an neun Tagen, verteilt auf fünf Termine zu lernen und zu üben, was so selbstverständlich nicht ist: Inspirierende Fragen zu stellen, sich gegenseitig zuzuhören und individuell nach Antworten zu suchen. Die Frage, die der Ausbildung zugrunde liegt, ist die nach einer nachhaltigen Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlichster Herkunft ihre Lebensgrundlage, den Planet Erde würdigen. Wenn dabei Erzieherin neben Professor, Studentin und Sozialarbeiterin neben Lehrerin und Pfarrer sitzen, kommen große Mosaike zu Stande, die so bunt sind wie unsere Gesellschaft, so vielseitig und lebendig wie unsere Zeit. Die Stadt Amberg wird so zum Kompetenzraum für eine zukunftsweisende Dialogform. In der Nachbarregion Oberfranken wurden hierin bereits über 300 pädagogische Fachkräfte ausgebildet.

Die Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog, München bringt mit Referenten der Hans Lindner Stiftung, Arnstorf eine Form der Gesprächsführung nach Amberg, die ihresgleichen sucht, nicht nur in der Bildungslandschaft, sondern auch in anderen Bereichen der Gesellschaft. Die Initiative ging vom Beruflichen Schulzentrum Amberg aus, an dem die Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog bereits mit Lehrern und Schülern in Form von Workshops und bei der Begleitung des Interkulturprojektes „Brücken bauen“ im Jahr 2018 gezeigt hatte, dass es hier nicht nur ums Reden, sondern ums reflektierte, gemeinsame Handeln geht.

Mit der Unterstützung des Wertebündnisses für Demokratie „Demokratie leben!“, der Hans Lindner Stiftung, des Fördervereins des BSZ Amberg und der OTH Amberg-Weiden hat sich das Vorhaben der Projektleiterin, Kerstin Klug, Lehrkraft am BSZ Amberg, so in die Realität umsetzen lassen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lediglich einen kleinen finanziellen Beitrag leisten mussten. Die Räumlichkeiten hierfür wurden dankenswerterweise unentgeltlich vom BSZ Amberg, dem Max-Reger-Gymnasium, der OTH Amberg-Weiden und dem Martin-Schalling-Haus zur Verfügung gestellt.

Die Teilnehmer erwerben das methodisch-didaktische Rüstzeug zum ergebnisoffenen Philosophieren. Sie werden sich der eigenen persönlichen Haltung bewusst und reflektieren sich selbst in Hinblick auf die eigene Haltung und Tätigkeit, um mit jungen Menschen diese Themen glaubhaft diskutieren zu können. In philosophischen Gesprächsrunden wird das Eigeninteresse der Teilnehmer an Fachthemen in einer Gesprächskultur auf Augenhöhe gefördert. Gleichberechtigung, Konstruktivismus und Kollegialität wirken entspannend auf den Gesprächsverlauf auch bei kontroversen Themen.

Wenn die zertifizierten Gesprächsleiter dann in ihren Institutionen gemeinsam mit jungen Menschen philosophieren, geht es darum, den Heranwachsenden ein größtmögliches Maß an geistiger Freiheit im Gedankenfindungs- und Reflexionsprozess zu ermöglichen, so dass die jungen Menschen lernen können, verschiedene Blickwinkel, Standpunkte und Perspektiven des Zusammenlebens in einer vielfältigen, modernen Gesellschaft zu entwickeln und zu vertreten, sowie die Sichtweisen Anderer nachzuvollziehen und zu tolerieren.

Hierbei werden im geschütztem Rahmen Meinungsverschiedenheiten als Kennzeichen von Pluralismus erlebbar und vermeintliche Unterschiede nutzbar gemacht. Hierfür werden von der Gesprächsleitung besondere Fragen in den Raum gestellt, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Fragen wie zum Beispiel: „Brauchen wir Regeln?“ oder „Wie viel ist genug?“ führen rasch in die Tiefe. Philosophiert kann schon im Kindergarten werden, in der Schule, in der Hochschule, in jedem Alter und Kontext. In Anschlussaktionen und -projekten können Ideen in die Tat umgesetzt werden, direkt profitieren werden demnach zunächst Menschen in und um Amberg. Wenn aus Gesprächsrunden größere Projekte werden, gibt es keine zeitlichen oder räumlichen Grenzen der Wirkung.

Weitere Informationen finden Sie in der Amberger Zeitung sowie in der Mittelbayerischen Zeitung.

Kerstin Klug

Zurück